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Vom rechten Maß der Dinge – Höher, schneller, weiter? In Zeiten des Klimawandels gerät diese Maxime ins Wanken

 

Seit 2014 müssen Immobilienverkäufer und Vermieter einen Energieausweis vorlegen, um Interessenten eine schnelle Orientierung über die Energiekosten zu geben. Aus demselben Grund weisen auch Haushaltsgeräte, Heizkessel und Co. ihren Verbrauch per Energielabel aus. Diese Transparenz hat erheblich dazu beigetragen, dass sich die Effizienz von technischen Geräten, Autos und Gebäuden in den letzten Jahren und Jahrzehnten enorm gesteigert hat.

Allerdings ist im selben Zeitraum auch die Größe der Geräte – also etwa von Bildschirmen oder Autos – enorm gestiegen, ebenso wie der Bedarf an Wohnfläche: Standen Anfang der Siebziger-Jahre in Deutschland pro Person durchschnittlich 26,4 Quadratmeter Wohnfläche zur Verfügung, waren es 2015 knapp 47 Quadratmeter. Dies entspricht quasi einer Verdopplung der Wohnfläche pro Person– und die Tendenz steigt weiter. Immer weniger Menschen wohnen auf immer mehr Quadratmetern, was nur teilweise der abnehmenden Zahl an Großfamilien und den zunehmenden Singlehaushalten geschuldet ist. Die bittere Erkenntnis: Unterm Strich wird durch effiziente Gebäudetechnik allein also kaum oder gar keine Energie eingespart.

 

Suffizienz im Forschungsfokus

Mit dieser Entwicklung ist in Sachen Klimaschutz wenig gewonnen. Natürlich wollen wir nicht auf gewisse Annehmlichkeiten verzichten, aber wo ist die Grenze des Komforts? Was brauchen wir wirklich, um gut und bequem zu leben? Nicht von ungefähr ist das Thema „Suffizienz“ in den Fokus von Nachhaltigkeitsforschung und Umweltpolitik gerückt. Dabei geht es um die Frage nach dem rechten Maß: Wie viel Selbstbeschränkung oder gar Verzicht tut Not, um das Klima wirklich zu schützen? Noch mehr Wohnfläche? Oder lässt es sich auf kleinerem Raum vielleicht entspannter leben? Schließlich reduzieren einige Quadratmeter weniger langfristig die Wohnkosten, den Energieverbrauch, aber auch den Reinigungsaufwand. Steht zudem kaum Stauraum zur Verfügung, so wird ein jeder gezwungen, sich stärker auf die wesentlichen Dinge zu konzentrieren.

 

Anreize für kleines Bauen schaffen

Tiny Houses sind eine erste, aber auch radikale Gegenbewegung: Die Minihäuser haben eine Wohnfläche von maximal 30 Quadratmetern, die sich in Wohnbereich, Küche und Bad unterteilt. Eine Hochebene dient in der Regel als Schlafstätte, und jede luftige Lücke, etwa unterhalb der Treppe, wird als Stauraum genutzt. Derzeit entsteht auf Hannovers Kronsberg eine erste Tiny-House-Siedlung, und die Nachfrage ist gewaltig.

Nicht ganz so radikal aber konsequent, ist eine neue Förderung für Baufamilien von proKlima: Seit Jahresanfang belohnt der enercity-Fonds mit einem Punktesystem solche Neubauten, die sich auf eine Wohnfläche von höchstens 30 Quadratmetern pro Person beschränken. Das dürfte ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung sein und den ein oder anderen Bauherren zum Nachdenken über seinen Platzbedarf bewegen.

 

Weitere Detailinformationen zu den aktuellen “Förderangeboten Neubau – Wohngebäude” des Klimaschutzfonds proKlima erfahren Sie hier.

 

Von der Planung bis hin zur Ausführung unterstützen Sie unsere Netzwerkpartner gerne als kompetente AnsprechpartnerInnen bei Ihrem Projekt.