Netzwerk Modernisierungspartner

TV-Moderator und Bauingenieur Ronny Meyer zu Gast bei den Modernisierungspartnern – Wie energetisches Sanieren sexy wird

Am 5. September 2019 lud das Netzwerk Modernisierungspartner seine Mitglieder zum Netzwerktreffen in das Förderungs- und Bildungszentrum der Handwerkskammer Hannover (FBZ) nach Garbsen. Als Gast vor Ort: Ronny Meyer, Bauingenieur, Autor, Musiker und Fernsehmoderator, der vielen noch aus seiner Sanierungsserie im Hessischen Rundfunk bekannt sein dürfte.

Im Fokus seines Vortrags stand die Frage „Wie energetisches Sanieren sexy wird“ und wie sich dieses Thema von der reinen Sach- auf eine Gefühlsebene transponieren lasse. Denn schließlich werden noch immer, so Meyer, rund vierzig Prozent der benötigten Energie in Deutschland im Gebäudebestand benötigt, was an nicht oder schlecht sanierten Altbauten liege. „Das Handwerk ist hier mit Abstand der wichtigste Partner, um diesen Zustand zu verändern, den Sanierungsstau aufzulösen und Bestandsbauten klimafreundlich zu machen“, so Meyer und plädierte ür neue Ideen statt alter Techniken: Ganz wichtig sei es, die Leute emotional zu packen. Das gelingt nach seiner Meinung durch vier Faktoren:

 

Faktor 1: Musik

„Wir brauchen einen Klimaschutzsong“, forderte der Bauingenieur, der im Nebenjob mit einer eigenen Band im Musikgeschäft tätig ist. Wenn es ein Lied gebe, eine Art Handwerkerhymne, würde sie Eigentümer*innen emotional packen und zum Loslegen animieren. Die Informationen, die man zum Thema Gebäudesanierung erhalte, seien fast immer zu technisch und so gar nicht sexy.

Hauseigentümer führen häufig hohe Investitionskosten als Argumente gegen eine Sanierung an, die sich angeblich nur langsam amortisieren. „Zeitgleich kaufen sich die Leute dann einen teuren SUV, der sich im Grunde nie amortisiert“, führte der Moderator als Gegenbeispiel an. Fazit: Geld ist offenbar durchaus vorhanden, aber niemand willens, es für mehr Effizienz und Komfort in den eigenen vier Wänden auszugeben. Die Automobilindustrie habe es hingegen hervorragend verstanden, das Thema Auto emotional hoch aufzuladen. Und hier gelte es nachzulegen.

 

Faktor 2: Gute Geschichten

Als zweiten Punkt auf dem Weg zu einer stärkeren Emotionalisierung der Gebäudesanierung forderte Meyer, auf gutes Storytelling zu setzen. „Wir müssen Erfolgsgeschichten von Sanierern erzählen statt ständig trockene Fakten aufzuführen“, betonte er.

Rund zehn Millionen sanierungsbedürftige Gebäude gebe es in Deutschland, schätzte Ronny Meyer vor den rund 25 anwesenden Netzwerkmitgliedern. Durchschnittlich werden für eine energetische Sanierung 90.000 Euro benötigt. Mit einem kurzen Rechenbeispiel machte er deutlich, dass sich rund 70.000 Euro über die spätere Energieeinsparung und die Fördertöpfe der KfW zurückholen ließen: „Sanieren war nie günstiger als heute: Die KfW unterstützt Eigentümer*innen derzeit mit 28 Prozent der Investitionssumme – das ist fast ein Drittel des gesamten Volumens!“ Man müsse die Menschen endlich bewegen, diese Gelder in Anspruch zu nehmen – und das könne durch gute Praxisbeispiele gelingen.

 

Faktor 3: Testimonials

Und es brauche drittens Testimonials für das Thema, also Menschen wie Greta Thunberg, der das gelungen sei, was die Sanierungsbranche über Jahrzehnte nicht geschafft habe: den abstrakten Klimawandel auf eine ganz konkrete, bedrohliche Ebene zu führen und zu emotionalisieren. Ihre Fridays-for-Future-Bewegung bringt Woche für Woche Hunderttausende Schüler*innen auf die Straße und hat längst auch die Erwachsenen mobilisiert. Die Gebäudesanierung brauche viel mehr solcher Gesichter.

 

Faktor 4: Ein werbewirksamer Claim

Als vierten und letzten Punkt forderte Ronny Meyer einen Claim für die Sanierungsbranche. Er brachte gleich einige Vorschläge aus der Werbewelt mit, die sich allesamt adaptieren ließen. Einen Claim und ein gemeinsames Ziel, weswegen Meyer vor allem ein geschlossenes Vorgehen von Sanierungsbetrieben auf Bundesebene fordert. Es gäbe viel zu viele autonome Initiativen statt einer gemeinsamen, bundesweiten Aktion. „Für Otto Normalverbraucher ist es wichtig zu wissen, wen er oder sie im Falle einer Maßnahme ansprechen soll: Dafür darf es nur eine einzige Stelle geben!“ Die Baubranche müsse endlich einen Schulterschluss machen und gemeinsam etwas auf die Beine stellen, sich als Team und nicht als Konkurrenz verstehen. Meyer forderte die Netzwerkmitglieder auf, sich untereinander besser zu vernetzen und künftig gemeinsam vor den Kunden aufzutreten.